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Samsung Galaxy S22 Ultra – Volltreffer oder knapp daneben?

22.03.2022

Samsung Galaxy S22 Ultra - der Name des Gerätes verspricht viel. Aber wird das Flagship-Modell seinem Namen gerecht? Oder ist es am Ende doch nicht ganz so «Ultra» wie der Hersteller es uns mit der Namensgebung glauben macht? Samsung kämpft mit der S-Reihe seit mehr als 10 Jahren an der Spitze des Marktes für High-End-Geräte. Haben sie ihren Platz dort nach wie vor verdient? Unser Auszubildender Loris, werdender Mediamatiker und Foto-, Video- und Mobile-Enthusiast, hat sich das genau für euch angesehen.

Neuer, schneller, besser – teurer

Jährlich erscheinen viele neue Smartphones und unterscheiden sich in verschiedenen Bereichen. Standardmässig sind die Geräte im Gegensatz zu ihrem Vorgänger immer schneller, besser und teurer. Auch das diesjährige neue Samsung S22 Ultra konnte sich, technisch gesehen, verbessern. Doch wie gut ist das Gerät wirklich? Wie schlägt es sich im Vergleich zum Konkurrent - dem iPhone 13 Pro? Wir von BRACK.CH haben das für euch getestet!

Design: S-Reihe und Note finden zusammen

Visuell ein absoluter Hingucker. Die Kameras wurden nun direkt ins Gehäuse gebaut, sodass das S22 Ultra insgesamt flacher erscheint. Tatsächlich ist es aber genau so dünn wie sein Vorgänger, das S21 Ultra. Die Rückseite und die Vorderseite bestehen aus dem neuen Gorilla Glass Victus Plus. Die Rückseite hat einen matten Look, der mir sehr gut gefällt. Die Rückseite sieht je nach Lichteinfall anders aus. Fingerabdrücke sind auf dieser Oberfläche auch nicht zu sehen. Vorder- und Rückseite werden von einem polierten Aluminiumrahmen geschmeidig verbunden. Das Design erinnert an die alte Note-Serie, die mit dem Launch des S22 mit der S-Linie nun zusammengeführt wurde.

Display – Tag und Nacht

Das Display ist typisch Samsung! 6.8” gross, gestochen scharf (3080 x 1440p) und dank der neuen LTPO 2.0-Technik mit einer adaptiven Bildwiederholrate von 1-120 Hz erfolgt die Darstellung aller Inhalte unglaublich flüssig. Die Bildwiederholrate wird je nach Aktivität angepasst. Beispielsweise wird sie beim Betrachten von Bildern auf 1 Hz (ein Bild in der Sekunde) gedrosselt und beim Videospiele spielen auf 120 Hz gestellt. Dies ist sehr stromsparend. Und natürlich wollte ich die adaptive Bildwiederholrate auch draussen ausprobieren. Selbst bei direkter Sonneneinstrahlung auf das Display erkenne ich dabei immer noch alles wie gewohnt, denn 1750 Nits sind ein absoluter Spitzenwert. Aufgrund der stattlichen Displaygrösse eignet sich das Gerät nicht besonders gut für kleine Hände. Ich selbst habe eher grössere Hände und konnte die obere-linke Ecke einhändig kaum erreichen. Der Einhandmodus hilft da durchaus auch bei kleineren Händen. Wenn ihr aber mit kleineren Displays bereits Schwierigkeiten bei der Einhandbedienung habt, dann ist es vermutlich von Vorteil, lieber nach einem kleineren Gerät zu schauen als nach dem Samsung S22 Ultra.

Gestochen scharf: das Display des Samsung S22 Ultra
Gestochen scharf: das Display des Samsung S22 Ultra

Prozessor – wirklich besser?

Wieder mal erhält das europäische Modell im Gegensatz zum amerikanischen keinen Snapdragon-Prozessor. Stattdessen setzt Samsung auch hierzulande auf den hauseigenen «Samsung Exynos» Prozessor. Was nicht grundsätzlich schlecht sein müsste, sich in der Vergangenheit allerdings immer wieder als Enttäuschung herausstellte. Denn der Exynos war bislang im Vergleich langsamer, stromhungriger und heisser. Dieses Jahr, mit dem Exynos 2200, verfehlt Samsung die Leistung des Snapdragon (8 Gen 1.) nur knapp. Rund 5% Unterschied bei der CPU-Leistung und 7% bei der GPU- Leistung. Der Exynos 2200 hat, dank einer Kooperation mit AMD, einen stärkeren Grafikchip, als in den Vorgängermodellen. Gesamthaft sind die Werte leicht besser als beim letztjährigen Modell, jedoch ist das im Alltag nicht wahrnehmbar. Dafür ist leider die Akkulaufzeit ein wenig kürzer. Eine Laufzeit von acht Stunden On-Screen-Time kann erreicht werden und das ist mehr als genug für einen Tag.


Im Alltag kam es hin und wieder zu Rucklern, kurzen Screen Lags oder Pixelfehlern. Diese Probleme sind nicht nur mir aufgefallen, leider teilen im Netz viele andere Reviewer diesen Eindruck auch. Seltsam ist aber, dass diese Lags nur beim Ultra auftauchen. Samsung hat dazu schon Stellung genommen und angekündigt, dass Updates folgen, die diese Lags beheben sollen.

Beim Speedtest schlägt sich das S22 Ultra erstaunlich gut. Es hat in dem ersten Teil, den gewöhnlichen Apps, wie Social Media und Office, die Nase vorne. Jedoch ist das iPhone in Sachen Videorendering und Mobile-Games deutlich schneller. Das Samsung verliert nur knapp.


Kamera – die Software macht's aus!

Overall: das Fazit vorab

Die verbaute Technik, also die Linsen, sind das eine, aber die Software ist das andere bei der Smartphone-Fotografie. Speziell bei der Software gibt es noch Luft nach oben. Denn jede Kamera bietet ein ganz eigenes Fotografie-Erlebnis. Das heisst: Schärfe, Kontraste, Sättigung und Dynamik sind bei jedem «Linsenwechsel» sichtbar. Leider gibt es auch Qualitätsunterschiede, je nach Kamerawahl. Im Vergleich zum iPhone 13 Pro ist es ein riesiger Unterschied. Beim iPhone fühlt es sich wie eine einzige Kamera an, welche den gesamten Raum von Makro bis Tele abdeckt.

Das Kameraelement des S22 Ultra
Sieht was aus, holt was raus: das Kameraelement des S22 Ultra

Ultraweitwinkel

Ihr bekommt mit der Hauptlinse nicht das ganze Haus ins Bild? Kein Problem, mit der Ultraweitwinkellinse fangt ihr alles ein, auch wenn ihr recht nahe am Haus steht. Das FOV (engl. Abkürzung für «Field of View», also Sichtfeld) ist mit 120 Grad erstaunlich gross.

Die Ultraweitwinkel-Linse wird gleichzeitig für Makro-Aufnahmen verwendet. Der Fokus kann auf sehr geringe Distanzen scharf fokussieren. Deshalb könnt ihr damit sehr nah an Objekte rangehen.

Die Schärfe der «Makrolinse» entspricht leider nicht so ganz meinen Erwartungen, und ich habe dafür die Hauptlinse verwendet. Diese kommt aber auch recht nah ran und macht aus vergleichbarer Nähe weitaus schärfere Bilder, bei denen das Motiv schön herausgestellt wird.

Weitwinkel

Die «Weitwinkel»-Kamera ist mit einer Auflösung von 108 Megapixeln die Hauptlinse. Diese ist beim S22 äusserst beeindruckend. Sie überzeugt mit gestochen scharfen, lebendigen Fotos. Bei Nahaufnahmen sticht das Motiv dank der Blende von f/1.8 deutlich heraus. Die Blende verursacht nämlich eine natürliche Hintergrundunschärfe, das sogenannte "Bokeh". Die Kamera ist dieses Jahr besonders smart. Sie rechnet bei schlechteren Lichtverhältnissen mehrere Pixel zusammen. Mehr dazu beim Abschnitt «Nightography».

Aufnahme mit dem Weitwinkel-Objektiv des Samsung S22 Ultra
Passt: Aufnahme mit dem Weitwinkel-Objektiv des Samsung S22 Ultra

Telekameras mit drei- und zehnfach optischen Zoom

Die Telekameras haben einen drei- und zehnfach optischen Zoom. Entsprechend könnt ihr dreifach oder zehnfach verlustfrei Zoomen, ohne dass die Qualität schlechter wird. Seit dem S20 gibt es den sogenannten «Spacezoom», der bis zu 100-fach vergrössert. Ab zehnfachem Zoom arbeitet er allerdings rein digital. Dabei kommt künstliche Intelligenz (AI bzw. KI) zum Einsatz: Die Kamera macht mehrere Bilder, legt diese mithilfe der KI übereinander und schärft das Bild künstlich nach. Markante Formen, Flächen, Zahlen oder Wörter werden erkannt und verbessert dargestellt. Das funktionierte im Test erstaunlich gut!

Selfiekamera – Cheese!

Bei der Selfiekamera hat sich nicht viel im Gegensatz zum letzten Jahr getan. Beim Ultra hat sie eine Auflösung von 40 Megapixel. Die Bilder und Videos sind immer noch leicht blass. Die Schärfe hat dafür zugenommen – Details stechen mehr heraus.

Video: Die Kamera des S22 Ultra im Test


Nightography wird dieses Jahr grossgeschrieben

«make nights epic with Nightography» – so lautet der Slogan auf der Produktseite, die das S22 gross präsentiert. Nach Herstellerangaben wurde in diesem Jahr insbesondere der Nachtmodus verbessert. Die Hauptlinse (108Mpx) vereinigt je 9 Pixel zu einem grossen “Pixelblock” für bessere Aufnahmen. So entsteht ein 12 Megapixel grosses Bild mit besserer Qualität.

Die so gemachten Aufnahmen sind meines Erachtens fast schon zu hell, denn der Vordergrund und Hintergrund werden von der Kamera noch künstlich aufgehellt. Das Motiv sticht nicht mehr heraus und man denkt es sei bestenfalls Abend. Mir fehlt der «Nachtfotografie-Look».

Nachtaufnahme mit dem Samsung S22 Ultra
Nachtaufnahme mit dem Samsung S22 Ultra (Uhrzeit der Aufnahme 22:38 Uhr)

Die Videoqualität ist bei Dunkelheit nicht besonders gut, aber auch nicht besonders schlecht. Man erkennt die Umgebung, jedoch rauscht es stark und es fehlt an Details. Die Bildstabilisation ist dafür immer noch recht gut. Das iPhone hingegen hat in diesem Jahr bezüglich Videoqualität im Dunkeln einen grossen Fortschritt gemacht. Die Videos sind sehr detailreich, wackelfrei und die Details sind sehr klar.

«Super Slow-Mo» – ein fragwürdiger Modus

Mittlerweile sind wir mit Blick auf die Auflösung bei einem Qualitätsstandard von mindestens 1080p, wenn nicht sogar 4K (3840 px x 2160 px) angelangt. Fernseher erreichen bereits Auflösungen von 8K.

Im «Super Slow-Mo» erhalte ich eine 32-fache Verlangsamung – mega! Und in welcher Qualität? 720p, also nur rund 1280 px x 720 px – irgendwie fragwürdig angesichts der genannten Standard-Auflösung, finde ich.

Ein gutes 720p-Video wäre noch okay gewesen, aber das Video sieht echt nicht gut aus. Es mangelt an Schärfe, Farben und Kontrast. Das Bild ist sehr körnig – da greift man viel lieber zum normalen Slowmotion-Modus mit 1080p und 8-facher Verlangsamung.

Portrait – besser denn je

Endlich bekommt Apple mal ernstzunehmende Konkurrenz. Das AI-System hat sich sehr gut weiterentwickelt, denn auf Portrait-Fotos werden nun die Motive viel besser erkannt und hervorgehoben. Auch bei Tieren oder Gegenständen funktioniert dieser Modus nun sehr gut.

Auch im Portrait-Video-Modus kann eine Person mit künstlichem Bokeh hervorgehoben werden. Jedoch leiden hier Schärfe und Details des eigentlichen Motivs ein wenig.


Influencer aufgepasst: Kamera in Social Media optimiert

Apple bringt in der Regel jährlich eine neue Smartphone-Generation auf den Markt. Da Apple einen eigenen App Store besitzt, werden die Apps auf die hauseigenen Geräte optimiert. Das betrifft zum Beispiel auch die Qualität der Kameraaufnahmen in Social-Media-Apps.

In diesem Punkt stehen Geräte, die mit Android laufen, in aller Regel hinten an. Denn es gibt eine Vielzahl unterschiedlich ausgestatteter Geräte. Massgeschneiderte Apps, die die spezifische Hardware eines Geräts ausreizen, sind daher selten.

Lobenswert, dass Samsung hier reagiert hat: Die Kamera des S22 Ultra wurde für Social Media optimiert! Nun kann man aus allen Social-Media-Apps auf den Ultraweitwinkel und die Telekameras zugreifen. Ebenso ist die Qualität nun die gleiche wie in der Kamera-App und Videos werden nicht mehr komprimiert.

S-Pen

Das Merkmal der Note-Serie: der S-Pen! Er liegt dem S22 Ultra bei. Aber für was verwendet man ihn ernsthaft? Diese Frage stellte ich mir schon länger, und sie ist immer noch nicht beantwortet. Nach meinem Empfinden ist das Handy ist schlichtweg zu klein, um richtig darauf zeichnen zu können. Ganz abgesehen davon, dass das Handy beim Zeichen auf dem Tisch wackelt. Die Kameras stehen nämlich auch beim S22 leicht hervor und heben dadurch das Handy einseitig leicht an – damit sind Wackler vorprogrammiert.

Als Spielerei ist der S-Pen noch witzig, praktisch ist er nach meinem Empfinden aber eher als Fernauslöser für die Kamera.

Dennoch muss man sagen: Der S-Pen hat eine äusserst geringe Latenz von 2.8 Millisekunden, es zeichnet und schreibt sich damit gefühlt wie mit einem richtigen Stift. Es ist deshalb sehr angenehm, damit auf dem Smartphone zu schreiben. Fazit: Für kurze Notizen ist er in Ordnung.

Unterstützt bis Android 16? 4 Jahre Software-Garantie

Auf dem Handy vorinstalliert ist Android 12 mit Samsungs OneUI 4.1. Samsung gewährt erstmals fünf Jahre Garantie auf Sicherheitsupdates und vier Jahre auf Softwareupdates. Das ist eine sehr gute Neuigkeit und ein grosses Plus.

Samsung dürfte das durchaus weniger zurückhaltend kommunizieren. Denn so könnt ihr das Smartphone theoretisch bis Android 16 ohne Funktionseinschränkung volle vier Jahre nutzen. Mit Blick auf die gewonnene Laufzeit wird das Smartphone so günstiger und nachhaltiger.

Kopf an Kopf-Rennen: Samsung S22 Ultra vs. iPhone 13 Pro

Zwei Top-Marken mit zwei Top-Handys. Ich hatte die Möglichkeit, beide direkt miteinander zu vergleichen und war von der Performance beider Geräte sehr erstaunt.

Samsung hat die lebendigeren Fotos, Apple dafür die realitätsgetreueren. Beim Zoom hat Samsung klar die Nase vorn, das iPhone macht aber in der Nachbearbeitung auch keinen schlechten Job. Das iPhone läuft reibungslos in nahezu allen Apps, dennoch ist man eingeschränkter mit iOS als mit Android. Android ist sehr personalisierbar mit Launchern und Themes. Das iPhone sieht seit Jahren gleich aus. Die einzige «Neuerung» waren die Widgets im letzten Jahr. Da können Androiduser nur schmunzeln – seit 2008 gestalten Widgets den Homescreen der Androidsmartphones.

Schlussendlich können beide Geräte das gleiche. Und beide haben ihre Stärken und Schwächen. Für welches Gerät ihr euch entscheidet, bleibt dabei eher eine Geschmacksfrage und eine Frage, ob ihr euch eher im Apple- oder im Android-Kosmos bewegt.

Fazit

Das Samsung S22 Ultra ist nicht gerade ein Schnäppli, aber angesichts seiner Ausstattung und Performance preiswert – nicht zuletzt auch wegen seiner auf vier Jahre erweiterten Garantie auf Softwareupdates. Es hat seinen Platz an der Spitze behauptet und verdient. Die Kamera, insbesondere der Spacezoom, lässt jeden erstaunen. Samsungs OneUI ist recht stabil, schön gestaltet und zugleich personalisierbar.

Ich empfehle jedem, der gerne fotografiert und ein Gerät mit Power will, ohne zu zögern zum Kauf eines S22 Ultra. Ein Upgrade vom S21 Ultra würde sich meiner Ansicht nach hingegen nicht lohnen – ausser ihr seid vom «neuen» Design fasziniert.

Das Samsung S22 Ultra bei BRACK.CH

Auszubildende von BRACK.CH

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