
Menschen mit Beeinträchtigung: Voll im Job und mitten im Leben
Menschen mit Beeinträchtigungen die Chance geben, beruflich und gesellschaftlich integriert zu sein – das haben sich verschiedene Behindertenwerkstätten und Stiftungen in der Schweiz zur Aufgabe gemacht. Die Stiftung Brändi mit Sitz in Kriens und das Wohn- und Bürozentrum (WBZ) in Reinach BL sind zwei davon - und Partner von uns. Wie sie Menschen mit Handicap im Job fördern und unterstützen, das erfahrt ihr hier.
Für Patricia ist das WBZ längst mehr als nur ein Arbeitsort. Seit mehr als zehn Jahren lebt und arbeitet sie in der Einrichtung. «Für viele ist es ein Zuhause geworden», hat sie uns im Interview für unser Mitarbeitenden-Magazin erzählt, das dort gedruckt wird. Patricia ist auf den Rollstuhl angewiesen und hatte bisher noch nicht die Chance, einen Beruf in der «normalen» Wirtschaft auszuüben. Im WBZ sind die Einsatzmöglichkeiten jedoch auf die Fähigkeiten und Bedürfnisse der gehandicapten Menschen zugeschnitten. Sie arbeiten in insgesamt 140 Stellen unter anderem in den Bereichen Grafik und Druck, Datenverarbeitung und Treuhand oder sind im Kreativ-Atelier und der Werkstatt im Einsatz, und richten auch Gastro-Events aus.
Was für viele Beschäftigte dort – und auch für Patricia – besonders wichtig ist: Dass sowohl Menschen mit als auch ohne Beeinträchtigung zusammenarbeiten. Der Austausch und das gegenseitige Voneinander-Lernen stehen im Fokus und dieser Kontakt lässt Patricia zwischendurch auch mal vergessen, dass sie im Rollstuhl sitzt. Das unterstreicht auch Bruno Planer, Leiter der WBZ-Druckerei: «Der eine kann etwas schneller als andere und ist dafür an anderer Stelle etwas langsamer - das ergänzt sich extrem gut.» Trotzdem müsse man wirtschaftlich bleiben, denn man wolle Löhne zahlen, die auch den Namen «Lohn» verdienen, so Planer weiter.
Wissenswertes über WBZ
Das Wohn- und Bürozentrum (WBZ) in Reinach bei Basel engagiert sich seit 1975 für Menschen mit Körperbehinderung. Es ist aus einer Ortsgruppe für Gelähmte entstanden, mit dem Ziel, Wohn- und Arbeitsstätten für sie zu schaffen. Heute wohnen im gerade fertiggestellten WBZ-Neubau 70 Menschen - so selbstständig wie möglich. Einen Grossteil der benötigten finanziellen Mittel erwirtschaftet das WBZ mit eigenen Produkten und Dienstleistungen.
In den Wohneinheiten haben die Mitarbeitenden zudem die Möglichkeit, ihre Freizeit zusammen zu gestalten oder aber auch für sich zu bleiben, wenn sie es möchten. «Das ist manchmal wie ein Mikrokosmos - aber mit all den Problemen, die die Welt draussen auch hat», beschreibt Patricia die Atmosphäre.
Aufgaben und Einsatzbereiche auf die Menschen zugeschnitten
Menschen mit Handicap in Arbeit, Gesellschaft und Kultur zu integrieren – das steht auch hinter dem Konzept der Stiftung Brändi. In insgesamt 15 Unternehmen im Kanton Luzern beschäftigt sie rund 1'800 Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen und bietet entsprechende Wohnmöglichkeiten an – abgestimmt auf die notwendige Betreuungs-Intensität. 220 Lernende sind in der Ausbildung für insgesamt 14 Branchen.
Die Spannbreite der daraus resultierenden Produkte und Dienstleistungen reicht von Metall- und Holzverarbeitung über Gastronomie bis hin zu E-Commerce und Logistik. So unterstützen uns in unserem Paketzentrum in Willisau beispielsweise auch 10 Mitarbeitende der Stiftung Brändi in den Bereichen Unterhalt und Warenausgang. Seit 2016 dürfen wir bei BRACK.CH ausserdem verschiedene Brändi-Produkte anbieten.
Bei allem stehen trotzdem immer die Menschen und ihre speziellen Fähigkeiten und Bedürfnisse im Fokus. Nicht alle sind gleich belastbar, das muss schon bei den Arbeits- und Einsatzzeiten berücksichtigt werden. Von den beteiligten Unternehmen erfordert das eine grössere Flexibilität.
Stifung Brändi in Zahlen und Fakten
Die Stiftung wurde 1968 in Horw gegründet. Zu ihr gehören heute 15 Unternehmen mit rund 1'100 Arbeits- und Ausbildungsplätzen in 50 verschiedenen Berufsfeldern. 1800 Menschen sind dort beschäftigt. Damit gehört die Stiftung zu den grössten Arbeitgeber*innen in der Zentralschweiz. Sie bietet ihren Mitarbeitenden zudem 340 Wohnplätze in sieben verschiedenen Wohnformen an – je nach Bedürfnissen und Betreuungsgrad.
Sich weiterentwickeln und etwas erreichen
Dennoch geht es in beiden Einrichtungen auch darum, den Menschen das Gefühl zu geben, dass sie in selbstverantwortlicher Tätigkeit etwas von Wert schaffen – das kann, muss aber nicht mit Gelderwerb verbunden sein. Die Stiftung Brändi versteht sich deshalb nicht nur als soziale Einrichtung, sondern auch als marktwirtschaftliches Unternehmen. Und: Die Menschen sollen die Möglichkeit haben, sich stetig weiterzuentwickeln. In der AWB-Werkstatt in Sursee, wo das beliebte Familien-Brettspiel Brändi Dog hergestellt wird, werden die Mitarbeitenden beispielsweise an den Umgang mit Technik und Spezial-Maschinen herangeführt. Das erhöht ihre Chancen, einen Job auf dem regulären Arbeitsmarkt zu finden.
Und Patricia im WBZ in Reinach - Ob sie irgendwann doch einmal den Sprung «nach draussen», wagen will? Sie sagt: «Ich hatte bisher den Mut noch nicht, es auszuprobieren. Aber Träume hat man ja immer. Aber vorerst bleibe ich noch hier – es stimmt einfach alles für mich.»
Bist Du neugierig geworden und möchtest mehr über die von Brändi hergestellten Produkte wissen? Dann schau mal hier!
Redaktorin Contentmarketing/PR
Als Kind wollte ich meinen eigenen Zirkus gründen, am Ende bin ich Journalistin und Online-Redaktorin geworden. Das ist auch manchmal ein ganz schöner Zirkus… aber ich liebe ihn! Seit August 2021 jongliere ich mit Wort und Schrift fürs BRACK.CH Contentmarketing-Team.
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