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PC-Eigenbau: Was Sie über Netzteile wissen müssen

05.07.2022

Der Netzteil-Berater: Wie finden Sie das richtige Netzteil für Ihren PC? Welche Formfaktoren gibt es? Was bedeuten die Kategorien fix, teilmodular oder vollmodular? Wieviel Leistung benötigt Ihr PC und was hat es mit den Effizienzklassen auf sich? Hier finden Sie die Antworten.

Während die meisten Komponenten wie Prozessor, Grafikkarte, Mainboard oder Arbeitsspeicher bei einem PC relativ schnell veralten und durch neue Hardware-Generationen ersetzt werden, gehört das Netzteil zu den langlebigen Komponenten, die man meistens problemlos für das nächste PC-Eigenbau-Projekt verwenden kann. Es lohnt sich hier also, vorausschauend zu denken und, wenn das Budget es erlaubt, etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Dieser Artikel hilft Ihnen dabei, das passende Netzteil für Ihren PC zu finden.

Bevor Sie jedoch auf Netzteil-Shoppingtour gehen, sollten Sie bereits wissen, welches Gehäuse Sie für Ihren PC verwenden möchten und welche übrigen Komponenten verbaut werden sollen.

Formfaktor und Stolperfallen

Der passende Formfaktor hängt vom Gehäuse ab. Im Datenblatt zu Ihrem Computergehäuse finden Sie die Grössen der unterstützten Netzteile. Die allermeisten Tower-Computer verwenden den ATX-Standard, kleinere Gehäuse den SFX-Standard.

Vor allem beim verbreiteten ATX-Standard gibt es aber Stolperfallen: ATX beschreibt nämlich nur die Breite und die Höhe des Netzteils. Die Tiefe hingegen kann variieren. Prüfen Sie also im Voraus, ob Ihr ATX-Netzteil auch von der Tiefe her ins Gehäuse passt, und berücksichtigen Sie dabei, dass die Stecker bei teil- und vollmodularen Netzteilen etwas mehr Platz benötigen.

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Achtung: ATX-Netzteile können unterschiedlich tief sein

Kabelstrang: fix, teilmodular oder vollmodular?

Der Kabelstrang bestimmt, wie einfach oder flexibel das Kabelmanagement wird. Man unterscheidet zwischen drei Typen: fix, teilmodular und vollmodular. Beim fixen Kabelstrang sind, wie die Bezeichnung schon beschreibt, alle Kabel fest im Netzteil verbaut. Das spart zwar einige Fummelei beim Einstecken der Kabel im Netzteil, bietet aber am wenigsten Flexibilität. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass Sie bei einem fixen Kabelstrang nicht alle Kabel benötigen und damit einen Wulst unnötiger Kabel im Gehäuse verstauen müssen. Das exakte Gegenteil ist das vollmodulare Netzteil. Hier können Sie genau die Kabel verwenden, die Sie auch wirklich benötigen. Das teilmodulare Netzteil verwendet eine Kombination aus freien Stromanschlussbuchsen und einem fest integrierten Kabelstrang.

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Von links nach rechts: Kabelstrang fix, teilmodular und vollmodular

Wir empfehlen bei fast allen Projekten ein vollmodulares Netzteil. Dieses kostet zwar etwas mehr, erlaubt aber ein saubereres Kabelmanagement und bietet die nötige Flexibilität, um das Netzteil auch bei künftigen PC-Eigenbau-Projekten weiterzuverwenden.

Wieviel Leistung benötige ich?

Kurz gesagt: lieber etwas zu viel als etwas zu wenig – aber auch nicht viel zu viel. Die meisten Netzteile erreichen ihren höchsten Effizienzgrad bei rund der Hälfte ihrer Maximalleistung. Bei zu niedriger Auslastung arbeiten sie weniger effizient. Bei hoher Auslastung sinkt die Effizienz ebenfalls. Hinzu kommt bei einem eher zu schwachen Netzteil das Risiko eines instabilen Systems, insbesondere wenn Sie zu einem späteren Zeitpunkt weitere Komponenten hinzufügen. Es gibt sehr gute Rechner im Internet, die Ihnen helfen, zu bestimmen, wie viel Leistung Ihr System benötigen wird – beispielsweise den Outervision Power Supply Calculator.

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Effizienz und Zertifizierungen

Die meisten Netzteile erreichen bei rund der Hälfte ihrer Spitzenauslastung den höchsten Wirkungsgrad. Für den Wirkungsgrad sind zwei Zertifizierungen gebräuchlich: das sehr verbreitete 80 PLUS Zertifikat und das neuere Cybenetics-Zertifikat. 80 PLUS ist im Grunde die Mindestanforderung, die ein Netzteil erreichen muss, um das Zertifikat überhaupt zu erhalten. Genauer gesagt muss es bei 20% und bei 100% Last mindestens 80% Effizienz erreichen. Weitere Unterabstufungen (Bronze, Silver, Gold, Platinum etc.) bezeichnen Effizienzgrade, die darüber liegen. Cybenetics geht etwas weiter und berücksichtigt beispielsweise auch das Geräuschlevel. Die Cybenetics-Datenbank ist ein guter Ort, um herauszufinden, wie laut ein Netzteil ist – besonders wenn der Hersteller dazu keine Angaben macht.

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Einbau und Luftstrom

Zunächst vorweg: Es gibt für ein Netzteil nicht wirklich ein "Oben" und ein "Unten". Achten Sie nicht auf die Richtung der Beschriftung. Es ist völlig legitim, ein Netzteil "kopfüber" zu montieren. Passen Sie einfach auf, dass der Lufteinzug am Netzteil frei ist. Die Seite mit dem Propeller ist der Einzug.

Am besten betrachten Sie Ihr Netzteil als Bestandteil Ihrer PC-Lüftung. Vielleicht haben Sie an der Unterseite Ihres PC-Gehäuses einen Staubfilter, den Sie nicht herausnehmen können. In diesem Fall ergibt es Sinn, das Netzteil so zu montieren, dass die Luft von aussen angezogen wird, damit sich der Staub an der Aussenseite des Filters ansammelt, wo er einfacher zu reinigen ist. Oder Sie bauen das Netzteil so ein, dass es mithilft, warme Luft auf dem Gehäuse zu transportieren. Kurz gesagt: Achten Sie darauf, dass das Netzteil mit dem Lüfterkonzept Ihres PCs harmoniert.


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